Stress bei Jugendlichen: Warum der Körper die wichtigste Rolle spielt.
„Ich bin total durch. ... Ich habe keinen Bock mehr. ..."
Solche Sätze hört man von Jugendlichen heute ziemlich oft. Meistens gibt es dafür nicht den einen Grund. Schule, Leistungsdruck, soziale Medien, permanente Reize, ständiges Vergleichen, zu wenig echte Pausen. Dazu kommen häufig Schlafprobleme. Und wer schlecht schläft, ist am nächsten Tag schneller gereizt, weniger belastbar und oft noch gestresster.
So entsteht schnell ein Kreislauf.
Stress beginnt nicht erst mit dem Gedanken: „Das ist mir zu viel.“
Das autonome Nervensystem überprüft ständig, was um uns herum passiert. Vereinfacht gesagt funktioniert es ein bisschen wie ein innerer Rauchmelder. Wird etwas als belastend wahrgenommen, reagiert der Körper. Die Atmung verändert sich, Muskeln spannen sich an, die Aufmerksamkeit wird enger, wir werden unruhiger oder ziehen uns zurück. Vieles davon passiert automatisch.
Deshalb hilft es einem gestressten Jugendlichen auch nur begrenzt, wenn wir sagen: „Mach dir nicht so viele Gedanken" oder "Entspann dich doch mal". Einem Erwachsenem übrigens auch nicht. ;)
Nicht jeder Stress sieht gleich aus.
Das macht die Sache manchmal kompliziert. Eine Jugendliche wird laut und gereizt. Ein anderer zieht sich zurück. Manche können nicht schlafen. Andere können sich kaum konzentrieren oder schieben alles vor sich her.
Auch die Art, wie Reize wahrgenommen und verarbeitet werden, unterscheidet sich stark. Gerade bei neurodivergenten Jugendlichen kann ein Alltag, der für andere noch gut machbar ist, bereits sehr viel Energie kosten.
Deshalb gibt es für Stressregulation auch nicht die eine Methode, die bei allen funktioniert.
Warum ich zuerst beim Körper ansetze.
Wenn der Körper Teil der Stressreaktion ist, sollte er auch Teil der Lösung sein, oder? Genau deshalb beginne ich mit Übungen zur Körperwahrnehmung.
Wie stehe ich gerade da?
Wo spüre ich Spannung?
Was verändert sich, wenn ich meinen Körper bewege oder kräftige?
Das klingt erst einmal sehr einfach. Ist es auch.
Genau das ist der spannende Punkt.
Körper und Psyche arbeiten nicht getrennt voneinander. Bewegung, Atmung, Muskelspannung und Körperwahrnehmung beeinflussen, wie wir uns fühlen und wie gut wir uns regulieren können.
Man kann das Embodiment nennen. Man kann aber auch einfach sagen: Wieder merken, was im eigenen Körper passiert.
Erst wahrnehmen. Dann regulieren.
In meiner Arbeit nutze ich deshalb unter anderem Körperwahrnehmung, gezielte Übungen zur Kräftigung und darauf aufbauend Atemtechniken.
Später geht es natürlich auch darum, wie man Gedanken und Gefühle regulieren kann. Aber davor steht etwas Grundlegendes:
Wahrnehmen, was gerade in mir passiert und lernen, meinen eigenen Zustand Schritt für Schritt mitzugestalten. Das beginnt: im Körper.